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Das Striezelwerfen
in Stein im Jauntal

 

Berichte von
Cornelia Stefan
Sarah Wurm

Striezelwerfen in Stein (Cornelia Stefan, 6A)

Am 4. 2. 2001 findet wie jedes Jahr in Stein im Jauntal das sogenannte “Striezelwerfen” statt. Bevor dieses einzigartige Spektakel beginnt, wird in der schönen, auf einem Felsen erbauten Kirche eine Messe gefeiert. Währenddessen versammeln sich auch um die Kirche bereits Menschen, die Spannung auf das Striezelwerfen steigt immer mehr. Es gibt auch andere Möglichkeiten sich die Zeit zu vertreiben. Der von Kärntner Künstlern gestaltete Kreuzweg hinauf zur Kirche ist sehenswert, ebenso der von Kiki Kogelnik gestaltete Karner, man kann den kleinen Markt besuchen oder die wunderbare Aussicht auf die umliegenden Orte genießen. Wenn dann die Schlussglocken der Heiligen Messe geläutet haben, ist es so weit! Die Unruhe im Menschengewirr erreicht ihren Höhepunkt. Mehrere starke Männer tragen riesige mit Striezeln gefüllte Säcke in ein burgähnliches Nebengebäude mit Balkon hinauf. Von dort aus werden die guten, aber doch etwas harten Striezel in die aufgeregte Menge geworfen. Die Anwesenheit eines ORF-Teams lässt erkennen, dass dieser Brauch sehr bekannt ist und geschätzt wird. Wenn man die Leute beim Auffangen oder Aufheben der Striezel beobachtet, könnte man glauben, man sei bei einer Raubtierfütterung. Egal ob vierjährig oder 100jährig, alle werden zu rücksichtslosen “Striezeljägern”. Wer sich besonders geschickt anstellt, kann bis zu fünf Striezel erhaschen. Während des Werfens sollte man auf der Hut sein, denn es kann leicht passieren, dass man so ein kleines hartes Brot auf den Kopf bekommt und dann nur eine riesige Beule mit nach Hause nimmt (ich erwähne das, weil mir diese Unglück selbst widerfahren ist). Nach etwa 20 Minuten bemerkt man, wie immer weniger Striezel herabregnen. Dann beginnt die gezielte Verteilung. Verwandte und Freunde der Striezelwerfer bekommen Striezel in die Arme geworfen und nur mit sehr viel Glück ist es den anderen dann möglich einen Striezel zu ergattern. Ist doch irgendwie ungerecht, dass sie sich nicht die geringste Mühe geben müssen und trotzdem ihre Striezel bekommen! Am Kopfschütteln der Striezelwerfer erkennen die Leute, dass die Säcke endgültig leer und bereits alle Striezel verteilt sind. Wenn man dann in seine Jackentasche greift und fünf Striezel vorfindet, kann man sehr stolz sein, denn es hat viel Einsatz gekostet und bringt Glück für das ganze Jahr. Danach marschieren die vielen Menschen in einer “Karawane” ab und der Platz, wo gerade noch Hunderte um die Striezel eiferten, ist beinahe leer.
   

Striezelwerfen in Stein (Sarah Wurm, 6A)

Begierig stürzt sich die Menschenmenge auf die kleinen Striezel, die aus dem Turm neben der Kirche geworfen werden. Nur mit Mühe schafft man es einen der begehrten Striezel zu fangen. So wie jedes Jahr fand auch heuer wieder das Striezelwerfen in Stein im Jauntal statt. Am Sonntag, dem 4. Februar 2001 nahm eine kleine Schülergruppe der 6A am Striezelwerfen teil. Einige meiner MitschülerInnen und ich erlebten diesen Brauch zum ersten Mal. Glücklicherweise schien an diesem Tag die Sonne, was uns das frühe Aufstehen erleichterte. Wir trafen uns um 10 Uhr vor der Feuerwehr in Stein. Inzwischen waren bereits etliche Leute eingetroffen, die sich das Fest nicht entgehen lassen wollten. Sogar aus Slowenien waren Gäste angereist. Nach der Heiligen Messe begann um 10.30 Uhr das Striezelwerfen, dessen Tradition bis in das Mittelalter zurückreicht. Als die kleinen Brote aus dem Turm geworfen wurden, stürzte sich die Menge mit Freude darauf. Vom Greis bis zum Kleinkind war jeder begierig einen Striezel zu fangen oder zumindest vom Boden aufzusammeln. Doch war dies mit Schwierigkeiten verbunden, da sie sehr heftig aus dem Turm geschleudert wurden. Ich hatte wirklich Angst, dass mich ein Striezel auf den Kopf treffen würde. Links und rechts von mir standen Schaulustige, die um jeden Preis eine “Beute” mit nach Hause nehmen wollten. Leider waren die Mädchen, die die Striezel in meine Richtung warfen nicht groß genug, um das Gebäck weit in die Menge zu schleudern. Ein großes Hindernis stellte das Dach dar, das weit nach unten gezogen ist. Aus diesen Gründen gelang es hauptsächlich jenen Leuten, die unmittelbar unter dem Turm standen, eine große Menge an Striezel zu erlangen. Manchmal-und das auch nur mit viel Glück- rollten die Striezel bis in die hinteren Reihen. Sogar um diese gab es noch ein großes Wetteifern. Einmal hatte ich Glück! Ein Striezel rollte an mir vorbei, es wollten auch andere das kleine Brot erfassen, aber ich war schneller und konnte so wenigstens einen mit nach Hause nehmen. Auch meinen Schulkolleginnen stand das Glück zur Seite, sie konnten 15 Striezel für sich gewinnen. Um 11 Uhr ging das Striezelwerfen in Stein, das ein wichtiger Bestandteil der Kärntner Kultur ist, zu Ende. Niemand sollte es sich entgehen lassen. Wahrscheinlich werde ich auch im nächsten Jahr daran teilnehmen, da ich trotz kalter Füße viel Spaß erlebte.