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Das Striezelwerfen
in Stein im Jauntal

 

Die Legende von der seligen Hildegard
Die Pfarrkirche Stein
Die Burg Stein

 

Die Legende von der seligen Hildegard

Paul, Marktgraf von Kärnten, hatte Hildegard zur Frau genommen, eine Frau von gleichem Adel, aber von ausnehmender Frömmigkeit. Als er selbst einmal durch Krieg ferngehalten wurde, übergab er ihr die Obsorge über das Haus. Mit ihr war auch der Bruder des Grafen zu Hause geblieben. Infolge des Müßigganges entbrante er in leidenschaftlicher Liebe zu seiner Schwägerin und suchte sie zur Untreue zu verleiten. Hildegard wies das schändliche Ansinnen energisch zurück. Aus Scham über die Zurückweisung und aus Furcht vor Strafe beschloß jener, die Unschuldige bei Rückkehr des Grafen anzuklagen. Der Heimkehrende glaubte seinem Bruder blindlings, wütend stürmte er ins Haus, brach, da ihm nicht gleich geöffnet wurde, die Tür auf und warf beide, seine Gemahlin mit ihrer Dienerin, wie sie gerade ins Gebet versunken waren, beim Fenster hinaus in das sichere Verderben. Die Burg lag nämlich auf einem steilen Felsen über der Drau.
Als er hierauf erfuhr, dass den beiden Frauen kein Leid geschehen war und sie mit Gottes Hilfe nach Stein zur Kirche des Heiligen Laurentius getragen worden seien, wurde er zur Strafe für sein Verbrechen seines Augenlichts beraubt. Nach siebenjähriger Pilgerfahrt starb er in Möchling und wurde dort begraben.
Hildegard überlebte ihren Gatten um viele Jahre. Sie wurde über 100 Jahre alt und starb nach Angaben alter Urkunden im Jahre 1024. Sie schenkte der Kirche zum Heiligen Laurentius in Stein 18 Bauernhuben. Aus deren Erträgnis sollten sie jährlich zur Beschenkung der Armen ihren gesetzlichen Anteil beisteuern.
Die Armenstiftung bestand hauptsächlich aus Brot, Speck und Wein. Diese Spenden wurden zum Feste der Heiligen Hildegard in feierlicher Weise geweiht und an Arme und sonstige Pilger verteilt. So lautet die Volksübelieferung.
Zur Erinnerung an die einst so reiche Stiftung weredn jetzt alljährlich, am 1. Sonnteg im Februar, nur noch die Agathenstriezel, denen man Heilkraft zuschreibt, unter die Volksmenge geworfen.
 

Die Pfarrkirche Stein im Jauntal

Stein wird urkundlich bereits vor dem Jahr 1000 erwähnt und wird nach dem Blutwunder (1238) zur selbständigen Pfarre erhoben. Die Erbauung der Pfarrkirche wird der seligen Hildegard zugeschrieben. Die Kirche, aus Quadersteinen aufgebaut, ehemals Burgkapelle aus dem 12. Jh. (Zerstörung 1458), wird nach 1514 zum Teil erneuert. Vom römischen Quaderbau sind die Außenmauer des Kirchenschiffes und die Rundapsis erhalten. Die ältesten und zugleich ursprünglichen Teile des Gebäudes sind die Krypta und die Apsis im Presbyterium. Beide sind aus der romanischen Zeit, ungefähr aus dem 12. Jahrhundert.  

Die Altäre
Hauptaltar mit Statuen des Heiligen Laurentius und der Heiligen Petrus und Paulus in Lebensgröße, ganz zuoberst die Heilige Maria mit dem Jesuskind. Der Altar wurde 1864 renoviert. Seitenaltar mit Aufsatz aus dem Jahre 1770. Die Statue der seligen Hildegard, im reichen Fürstenschmuck vergoldet, hält in der linken Hand das Kreuz und in der rechten einen Brotstriezel, den sie einem vor ihr knienden Bettler reicht. Daneben die Statuen der Heiligen Agatha und Dorothea. Die Reliquien der seligen Hildegard werden in einer schwarzen, mit Silberschlägen versehenen Holzlade, verwahrt, der Handschuh separat in einer Glasurne am Altar ausgestellt.   

Der Karner
Die Kapelle des Heiligen Michael ist auf der Südseite in die Schutzmauer eingebaut, in Rundform, mit 3 m Durchmesser. Im Inneren des Karners stand das Altärchen des Hl. Michael. Im Jahre 1640 befahl der Visitator, die unterirdische Beinkammer mit Erde zuzuschütten und darüber ein Pflaster anzulegen. Seit der Zeit wurde in dieser Kapelle keine Messe mehr gefeiert. Die Künstlerin Kiki Kogelnik gestaltete - als ihr letztes Werk - den Totentanz.
 

Die Burg Stein im Jauntal

In Stein sind zwei Burgen zu unterscheiden. Eine ältere, “Altstein”, stand auf dem schon in vorhistorischer Zeit besiedelten “Gradnik” (Schloßberg) genannten Hügel in südwestlicher Richtung, ca. 2 km von dieser Kirche hier entfernt.
Das zweite, jüngere Schloß, stand neben der Lorenzikirche, der jetzigen Pfarrkirche. Die Ansicht dieses Schlosses aus dem Jahre 1688 gibt Valvasor wieder. Bewohnt wurde es bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1761 beantragte der Ortspfarrer die gänzliche Demolierung der Ruinen, weil die herabfallenden Steine für die Kirchenbesucher lebensgefährlich waren. Das Steinmaterial soll zum Bau der damaligen Draubrücke und diverser Gehöfte verwendet worden sein. Ein Teil des Schloßgebäudes ist noch eingedeckt - vom Gange desselben werden die “Agathen- Striezel” herabgeworfen (jährlich am 1. Sonntag im Feber).
Die Burg “Altstein” war wahrscheinlich die Wohnstätte der seligen Hildegard und das Geburtshausschloß ihres Sohnes Albuin, des späteren Bischofs von Brixen. Um das Jahr 1000 übergibt Albuin das Schloß mit weiteren Besitzungen im Jauntal dem Bistum Brixen. 1147 kommt Stein in den Besitz des Grafen Meinhard IV. von Tirol, dann an dessen Schwiegersohn, weiters an den Grafen von Görz; hierauf 1330 an Otto von Rechberg, der sie an den Grafen von Cilli (Celje) versetzte. Im Jahre 1461 erscheint sie im Besitz von Kaiser Friedrich III. und wird schließlich im Erbfolgekrieg zwischen den Grafen aus Cilli und Görz im Jahre 1461 zerstört. Kaiser Maximilian übergab das zerstörte Schloß an Hans Prösinger mit der Verpflichtung, die Festung zum Schutz gegen die Türken wieder aufzubauen. Wahrscheinlich wurde, anstatt Altstein, die Burg bei der jetzigen St. Lorenzikirche gebaut. 1585 wurde Schloß Stein von Erzherzog Karl an Ambros von Thurn verkauft und gehörte anschließend den Windischgrätzern. Melchior Putz von Kirchenegg übergab es 1635 an die Khevenhüller, 1643 gelangte es an die Freiherrn von Rosenberg. Von den beiden Burgen deuten nur noch spärliche Mauerreste an den einstigen Standort.