Glücksforschung und Glückswissenschaft Band I - Wie man wirklich glücklicher wird

Glücksforschung und Glückswissenschaft Band II - Hirnforschung, Neurobiologie, DNS und unsere happy Gene

Glücksforschung und Glückswissenschaft

Wie man wirklich glücklicher wird

Auszug aus der 5., aktualisierten Neuauflage unseres Buches, Januar 2008:
Glücksforschung und Glückswissenschaft Band II
Hirnforschung, Neurobiologie, DNS und unsere happy Gene


2. Glück ist, wenn die Chemie im Gehirn stimmt: Der Botenstoff-Cocktail des Glücks und Wohlbefindens

    

Ob wir glücklich oder unglücklich sind, ist von vier Botenstoffen abhängig. Vor allem der alles entscheidende „Freudensaft“ Dopamin spielt - in Verbindung mit Noradrenalin - beim Aufbau unserer Glücksgefühle die zentrale Hauptrolle. Aber auch Serotonin und indirekt die Endorphine sind an unserem Glück und Wohlbefinden maßgeblich beteiligt. Dabei sind diese Botenstoffe die stärksten, uns mental (auf gut Deutsch: gefühlsmäßig à gedanklich) verändernden Wirkstoffe, welche die Natur in Jahrhundertmillionen zusammengebraut hat.
     Damit die uns mental verändernden Botschaften von einer Nervenzelle zu ihren Partnerzellen übertragen werden können, sind sie als Fährboote zwischen ihnen erforderlich. Dabei sind sie unsere selbst produzierten Überträger- und Signalmoleküle, die jede Botschaft übertragen. Ohne sie ist keine Kommunikation im Gehirn möglich. Deshalb liegen sie jeder Emotion, jedem Gefühl, allem Denken, jeder Entscheidung, jeder Erinnerung, jeder Bewegung und allem Tun und Lassen zugrunde. Alles, was in unserem Gehirn abläuft, hängt von ihnen ab.
     Ohne Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und die Endorphine könnte unser Gehirn keine Informationen verarbeiten. Unser individuell unterschiedlicher Botenstoff-Cocktail ist deshalb nicht nur überlebensnotwendig für uns, sondern spielt auch die ständig leise Hintergrundmusik bei allem, was wir empfinden, fühlen, denken, entscheiden und tun oder lassen und uns in einen Zustand versetzt wie: „Ich bin glücklich und zufrieden.“

2.1 Dopamin: Weit mehr als nur der Botenstoff des Glücks, der Lust und des Vergnügens

     Der entscheidende Botenstoff zum Aufbau unserer Glücksgefühle ist Dopamin in Verbindung mit Noradrenalin. Dabei wirkt Dopamin wie eine reizvolle Verführerin auf einer Südsee-Insel, bei deren Anblick wir uns „sehr gut“ fühlen. Ihr Anblick löst in uns freudige Erwartungen schöner Umstände in der Fantasie, Vergnügen, Antrieb, Aufmerksamkeit, Interessiertheit, „Rangehen!“, Lust, Freude, Begeisterung und Glücksgefühle aus und hält sie aufrecht. Dabei wirkt Dopamin wie ein Scheinwerfer, der unsere Aufmerksamkeit auf alles denkbar Angenehme, Erfreuliche und Vergnügliche lenkt und uns voran, vorwärts, hin zur Erreichung unserer Ziele treibt.
     Andrerseits ist das Gegenteil aber leider auch wahr: Ohne Dopamin machen wir nichts, rein gar nichts, keinen Handschlag, weil zuwenig Dopamin in den Synapsen deckungsgleich mit Freud-, Antriebs-, Lust- und Interesselosigkeit einhergeht, und depressive Menschen haben einen zu geringen Dopaminspiegel in ihrem Gehirn.
     Dopamin ist der entscheidende Botenstoff für jede Art von „Belohnungen.“ Ein erhöhter Dopaminspiegel ist deshalb mit allem Angenehmen, Erfreulichen und Vergnüglichen und ein zu niedriger ist mit chronisch schlechter Stimmung, „leichter“, mittelschwerer und schwerer Depression verbunden.
     Aber nicht nur das. Der Leitgedanke, dass ein einziger Botenstoff uns zu so unterschiedlichen Dingen wie Drogenkonsum, Arbeiten, Lernen, Essen, Rauchen oder Sex antreibt, hat die Neurobiologen seit ein paar Jahren elektrisiert. Das amerikanische Nachrichtenmagazin TIME magazine und die beiden renommierten Wissenschaftsmagazine Science und Nature haben ihm Titelstorys gewidmet. Plötzlich wurde Dopamin Forschungsgegenstand für so unterschiedliche Dinge wie Lernen, Lernfähigkeit, Motivation, Konzentrationsfähigkeit, Sex, Treue, Extravertiertheit, Aufmerksamkeit, Zielorientierung, Vergnügen, Vorfreude, Freude und Glücksgefühle. „Oh Dopamin, wie lieb' ich dich!“

2.2 Der Stimmungsaufheller Serotonin gibt uns das Gefühl der Gelassenheit, gefühlsmäßigen Ausgeglichenheit, inneren Ruhe und Zufriedenheit

     Serotonin ist lebensnotwendig. Es gibt uns das Gefühl der Gelassenheit, Ausgeglichenheit, inneren Ruhe und Zufriedenheit. Unter anderem ist es dadurch auch an unserem Appetit und Essverhalten, dem Gefühl der Sattheit und Angstfreiheit beteiligt. Ein ausreichend hoher Serotoninspiegel in den Synapsen überträgt gleichsam die Botschaft, dass wir satt, gelassen, innerlich ausgeglichen, ruhig und zufrieden sind. Dabei dämpft es eine ganze Reihe unterschiedlicher Gefühlszustände wie Aggressivität, Hunger, Angstgefühle, Kummer und Sorgen, Niedergeschlagenheit und Depressionen. Deshalb wurde Serotonin auch einmal von einem Neurobiologen als „der uns zivilisierende Botenstoff“ und von andern als der „feel good“-, „Well-Being“- oder „Wohlbefindens“-Botenstoff bezeichnet, weil wir dank ihm ruhig und gelassen an uns und der Welt teilhaben können.
     In erster Linie dämpft Serotonin die Angst. Ein Mangel an Serotonin wurde deshalb bei so unterschiedlichen mentalen Störungen wie behindernder Schüchternheit, Sozialphobie, allen Angststörungen, „leichter“, mittelschwerer und schwerer Depression, Migräne, zwanghafter Wiederholungsstörung, Aggressivität, häufig wiederkehrenden schwarzen Gedanken über den eigenen Tod, wiederholten Selbstmordversuchen (Courtet, 2004) und Selbstmorden nachgewiesen.
     „Unser Gefühlsleben ist wie ein Konzert“, meint Solomon Snyder von der John Hopkins University, „und Serotonin ist der Dirigent, nach dem sich alle richten“. Es sorgt von vornherein dafür, dass wir auf alles gelassen reagieren können. Ein paar Botenstoffe sagen uns zum Beispiel, wann unser Magen voll ist. Serotonin sagt uns, wann wir satt und zufrieden sind. Ein paar andere Botenstoffe helfen uns, den Wasserstand in einem Glas Wasser wahrnehmen zu können. Serotonin sagt uns, ob das sprichwörtliche Glas Wasser „halb voll“ oder „halb leer“ ist. Es sagt deinem Gehirn und damit dir: „Du bist satt, gelassen, ausgeglichen, innerlich ruhig und zufrieden.“
     Zum Einstieg in unser Thema zeigt uns die folgende Grafik unser Serotoninsystem und seine Nervenbahnen im Gehirn:


Unser Serotoninsystem


Strukturformel für Serotonin

2.3 Noradrenalin erregt, aktiviert, macht uns wach und reaktionsbereit, und wir sind aufmerksamer, motivierter und leistungsbereiter

2.4 Die Endorphine: Unsere Schmerzkiller

2.5 Oxytocin, das vertrauensbildende Hormon für mehr Liebe, Sex, zwischenmenschliche Risiko- und Kooperationsbereitschaft, Sinn für partnerschaftliche Fairness und Edelsinn

 

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